Viva las Vegas

Auf dem Weg vom Yosemite National Park nach Sin City haben wir auf halber Strecke in Lone Pine, einem kleinen Ort östlich der Sierra Nevada kurz vorm Death Valley, Halt gemacht. 
Dieser Ort besteht im Prinzip nur aus einer Straße, auf der es nur Tankstellen, Restaurants und Motels gibt. Ich glaube alle Menschen, die hier stranden tun es deshalb, weil sie von Vegas in Richtung Yosemite oder wie wir, in die andere Richtung unterwegs sind.

In Lone Pine haben wir in der Dow Villa eingecheckt, einem wirklich nettem Motel, mit allem, was wir nach drei Tagen im Auto brauchten. Ein ordentliches Zimmer mit Bad und Dusche, Internet, Pool und einem Waschsalon direkt gegen über.

Am nächsten Morgen sind wir früh gestartet um das Death Valley zu sehen, bevor wir dann in die Spieler-Stadt in die Wüste kommen.

Das Death Valley besticht vor allem durch seine unendlichen Weiten voller Nichts. Am tiefsten Punkt der USA, ca. fünfundachtzig Meter unter dem Meeresspiegel, gibt es nichts außer Sand, Staub und Salzseen. Umrahmt wird das Ganze dann von gewaltigen trockenen Bergen. Wer Lust hat kann dann noch eine kleine Schleife namens Artist-Drive durchfahren. Auf dieser Einbahnstraße sieht man dann verschiedenfarbig, schimmernde Gesteinsformationen, je nach Tageszeit und entsprechenden Sonnenstand unterschiedlich stark ausgeprägt.

Bei ca. 113 Grad Fahrenheit, was in etwa 45 Grad Celsius entspricht, läuft die Klimaanlage auf höchster Stufe. An einigen steil ansteigenden Stellen warnen Schilder, dass man die Klimaanlage ausschalten soll, um das Fahrzeug nicht zu überhitzen. Bei unseren kürzeren Stopps ist der Boden so warm dass die Füße sogar durch die Schuhe zu glühen scheinen.

Es ist ein unwirklicher Ort, an dem ich trotz der überwältigenden Weiten, nicht so richtig Gefallen finden kann. Der Wind ist warm wie ein übergroßer Föhn und Ich hab das Gefühl, dass ich aus der lebensfeindlichen Umgebung eigentlich lieber schnell raus will.


  
  

Angekommen in Vegas sind wir erstmal geplättet von dem extremen Wirbel. Wir haben uns für zwei Nächte im alt ehrwürdigen Flamingo, eines der ersten Super-Casinos am Strip, eingemietet. Hier bekommt man unter der Woche Zimmer schon ab ca. 60-80 Dollar, plus Steuern und Ressortgebühren pro Nacht. An der Rezeption, die man irgendwo zwischen Shoppingmall und Spielautomaten findet, treffen wir erstmal auf eine Menschenschlange, die eher an einen Flughafencheck-in als an ein gehobenes Mittelklasse-Hotel erinnert. Wir haben uns nach der hitzigen Anfahrt auf ein ruhiges Plätzchen am Pool gefreut. In Las Vegas aber, zumindest an den Orten die wir gesehen haben, gibt es keine Ruhe. Die Stadt gleicht einem Tollhaus, bei dem es zu jeder Tages und Nachtzeit überall von Menschen, lauter Musik und Attraktionen wimmelt. Nachdem das klar war, haben wir uns voll darauf eingelassen, wir haben gezockt, getrunken, Shows gesehen, sind Achterbahn gefahren und haben uns durch die Casinos treiben lassen.

Insgesamt habe ich noch nie einen künstlicheren Ort gesehen, der so glaube ich, der Gipfel der amerikanischen Lebensweise ist. Ich habe noch nie eine solche Verschwendung jeglicher Ressourcen, egal ob Energie, Wasser, Lebensmittel oder einfach nur Geld erlebt. Ich kann teilweise gar nicht fassen, was die Leute bereit sind, auf den Spieltisch zu legen. Und ich rede hier nicht von Schickimicki Oberklasse-Menschen sondern von Leuten die aussehen als müssten sie jeden Monat ihre Kohle zusammenkratzen um überhaupt etwas zu Essen auf den Tisch zu bekommen.

Es ist ein wirklich krasser Ort der eigentlich kaum auszuhalten ist, aber der es wert ist sich mal zwei bis drei Tage reinzuziehen. Man muss den Kopf ausschalten und das Portemonnaie weit auf, dann macht es Riesenspass.

   

  
  
  

(3) Kommentare

  1. Pingback: Angels Landing | Follow the Sun

  2. Gegensätzlicher können die beiden beschriebenen Orte wohl kaum sein!
    Lebensfeindlichkeit ist vielleicht ihre Gemeinsamkeit – beeindruckende Bilder, Pascal!!!

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